Kodak Verita 200D: Ein neuer Film im vollständig digitalen Zeitalter?
In einer Zeit, in der die digitale Bildgebung praktisch jeden Aspekt der Fotografie und des Videos dominiert, bleibt die Ankündigung der Kodak Verita 200D nicht unbemerkt. Nicht so sehr wegen seiner technischen Spezifikationen, sondern wegen dem, was es darstellt. Da die Branche weiterhin auf präzisere Sensoren, effizientere Arbeitsabläufe und zunehmend kontrollierte Ergebnisse setzt, beschließt Kodak, einen neuen Film herauszubringen. Und das ist heute eine Aussage für sich.
Verita 200D ist ein Kino-Farbnegativfilm, tageslichtausgeglichen und mit einer Empfindlichkeit ISO 200. Auf dem Papier entspricht er dem, was man von einem modernen Filmmaterial erwarten würde. Es wird jedoch schnell klar, dass es nicht dafür ausgelegt ist, unter den gleichen Bedingungen wie andere aktuelle Materialien zu konkurrieren. Es strebt nicht danach, das sauberste, neutralste oder technisch „richtigste“ zu sein.
Interessant ist der Kontext, in dem es erscheint: Jahrelang strebte die Entwicklung des Bildes in Richtung einer Art technischer Perfektion: originalgetreue Farben, minimales Rauschen, großer Dynamikumfang, absolute Konsistenz. Parallel dazu zeichnete sich jedoch ein gegenläufiger Trend ab. Immer mehr Kreative versuchen, sich von dieser makellosen Ästhetik zu lösen und etwas wiederherzustellen, was die digitale Welt normalerweise nicht bietet: Charakter.
In diesem Sinne scheint die Einführung von Verita kein Zufall zu sein. Kodak hält nicht nur eine Produktlinie am Leben. Es reagiert auf eine Nachfrage, die sowohl im Kino als auch in der Fotografie wieder aufgetaucht ist. Eine Suche nach weniger perfekten, organischeren Bildern mit einer gewissen ästhetischen Prägung, die nicht nur von der Postproduktion abhängt.
Das Ganze hat auch etwas Symbolisches: In einer Zeit, in der selbst „analog“ oft mit Presets, LUTs oder Farbprofilen simuliert wird, setzt Kodak weiterhin auf den physischen Ursprung des Bildes. Nicht aus Nostalgie, sondern weil es Qualitäten gibt, die sich digital nur schwer vollständig reproduzieren lassen.
Verita 200D, wie aus der Ankündigung hervorgeht, zielt genau darauf ab. Es ist nicht gerade der Versuch, einen alten Film nachzubilden, aber es kommt diesem Gefühl nahe. Ein weniger klinisches Bild mit geringen Farbabweichungen, einer weniger vorhersehbaren Reaktion und einer Ästhetik, die sich nicht völlig neutral anfühlt.
Letztlich ist Verita 200D nicht nur ein neues Produkt. Es ist ein Zeichen dafür, dass Klassik nicht nur immer noch relevant ist, sondern auch wieder an Attraktivität gewinnt.
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