Gegründet im Jahr 1912 in Dresden durch den niederländischen Kaufmann und Unternehmer Johan Steenbergen, entwickelte sich die Ihagee (phonetische Abkürzung für Industrie- und Handelsgesellschaft) rasch zu einer der erfindungsreichsten und einflussreichsten Kameraschmieden der europäischen Fotogeschichte. Nach erfolgreichen Anfangsjahren mit der Konstruktion klassischer Klapp- und Plattenkameras für Mittelformate gelang dem Dresdner Werk im Jahr 1936 auf der Leipziger Frühjahrsmesse der weltweite Durchbruch mit der bahnbrechenden Kine Exakta. Dieses feinmechanische Meisterwerk gilt in der internationalen Technikgeschichte als die erste serienmäßig gefertigte einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkamera für den 35mm-Kinofilm, wodurch die grundlegende Bauweise moderner Systemkameras für das gesamte zwanzigste Jahrhundert begründet wurde.
Das industrielle Fertigungsprogramm der sächsischen Traditionsmarke gliederte sich im Laufe der Jahrzehnte in zwei sich ideal ergänzende Produktlinien für unterschiedliche fotografische Ansprüche. Auf der einen Seite verkörperte die weltberühmte Exakta-Reihe das absolute Spitzenmodell für Fotojournalisten, wissenschaftliche Forschungsinstitute und Berufsfotografen, gekennzeichnet durch ein umfassendes modulares Zubehörsystem, ein solides Stahlbajonett und auswechselbare Lichtschacht- sowie Prismensucher. Auf der anderen Seite schuf das Unternehmen ab 1951 mit der Exa-Familie eine leichtere, vereinfachte und äußerst langlebige Systemkamera für ambitionierte Amateure und Studenten. Beide Modellreihen nutzten das universelle Exakta-Bajonett und boten Fotografen den direkten Zugriff auf erstklassige Hochleistungsobjektive legendärer deutscher Optikhersteller wie Carl Zeiss Jena, Meyer-Optik Görlitz, Schneider Kreuznach und Steinheil München.
Heutzutage genießt die Marke Ihagee einen herausragenden Legendenstatus bei Sammlern historischer Kameras, Technikforschern und engagierten Liebhabern der klassischen analogen Fotografie auf chemischem Film. Unverwechselbare Konstruktionsmerkmale wie der ergonomisch vor der Gehäusefront links platzierte Auslöser und das flexible Baukastenprinzip der Suchersysteme machen diese Kameras zu faszinierenden Zeugnissen höchster deutscher Handwerkskunst. Für Fotografen, die den charakteristischen Bildstil sächsischer Vintage-Objektive und das unverfälschte Erlebnis rein mechanischer Bedienung schätzen, bleibt die traditionsreiche Ihagee der unverzichtbare Urvater der Kleinbild-Spiegelreflexfotografie.